Kurzgeschichten
Romanze am Bücherschrank
Eine weihnachtliche Geschichte von Ute Fischer und Bernhard Siegmund
„Schön Sitz“, ermahnte Erika die schwarze Bella, band ihre Leine an die Bank und stieg in den Öffentlichen Bücherschrank. Sie suchte wie jedes Wochenende nach einem unterhaltsamen Roman für den vierten Advent. Seit ihr Mann verstorben war, wurden ihr die Winter-Sonntage lang. Während sie die Regale absuchte, hörte sie Bella fiepsen. Ach ja, das Alleine- Warten hatte sie ihr noch nicht beibringen können. Doch plötzlich verstummte Bella. Komisch. Erika sah, wie sich vor der Tür jemand über Bella bückte und sie streichelte. Ein Mann. Hoffentlich kein Hundefänger, schoss es ihr durch den Kopf. Sie beeilte sich, wieder aus dem Bücherschrank zu steigen. „Na, da kommt das Frauchen ja schon“, sagte eine tiefe warme Männerstimme. „Danke, dass Sie meinen Schatz getröstet haben“, erwiderte Erika, „sie mag nicht alleine bleiben“. Der Mann schaut hoch und lächelte verschmitzt: „Na wir mögen das ja auch nicht, nicht wahr?“. Erika lächelte. Was für ein freundliches Gesicht? 
Er: „Haben Sie denn etwas Nettes gefunden zum Lesen?“ Erika verdutzt: „Ich hoffe doch; der Autorenname sagt mir etwas, aber ich weiß nicht was.“ Der Mann griff nach dem Buch: „Ach, das kenne ich. Die Autorin wurde letztes Jahr mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet“. Erika schluckte. „Sie kennen sich aus mit Literatur?“ Er: Ein wenig. Aber entschuldigen Sie bitte; ich muss noch etwas einkaufen, bevor die Geschäfte schließen. Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Abend!“ „Ihnen auch“, beeilte sich Erika, um noch schnell etwas Nettes zu sagen.
Drei Tage später hatte Erika das Buch gelesen und brachte es zurück. Wieder band sie Bella an die Bank und schaute die Bucherregale durch. Insgeheim hoffte sie, der gut aussehende Mann möge wieder bei Bella anhalten. Aber nichts geschah. Erika wählte zwei Krimis von Ingrid Nohl und setzte sich auf die Bank neben dem Bücherschrank. Sie wollte doch erst ein wenig anlesen, um sich zu entscheiden, ob sie dieses oder jenes Buch nehmen solle. Plötzlich begann Bella zu kläffen. Erika schaute hoch und da stand tatsächlich dieser Mann, auf den sie insgeheim gewartet hatte. „Schon ausgelesen“, fragte er und setzte sich zu ihr. Und Erika erzählte lebhaft aus dem zurück gegebenen Buch. Das sei eine recht schiefe Geschichte gewesen, aber trotzdem unterhaltsam und schnell zu lesen. „Oh, Sie gehen jetzt auf Krimi“, fragte ihr Nachbar fast spitzbübisch. „keine Angst vor schlaflosen Nächten?“ „Muss ich das“, fragte Erika mit hochgezogenen Brauen und schaute auf den Titel. Der Mann lachte: „Na die Nohl bringt ja fast immer ihre Männer um“. Er erzählte Erika von den verschiedenen Morden aus der Krimifabrik der Autorin. Und ehe sie sich versahen, war eine gute Stunde um und Bella zog an der Leine. „Oh, mein Schätzchen hat Hunger“, bedauerte Erika und hätte sich gerne noch weiter unterhalten. So gingen beide ihrer Wege.
„Man hätte sich ja verabreden können“, dachte Erika im Weggehen, stockte kurz mit dem Fuß, sah aber, dass auch er schon weitergegangen war. Was soll`s. Die Unterhaltung hatte sie neugierig gemacht auf den Krimi. Und so begann sie noch am gleichen Abend zu lesen. Sie fand auch die Stellen, auf die er sie aufmerksam gemacht hatte und konnte nicht mehr aufhören zu lesen, weil sie so gespannt auf das Ende war.
Der nächste Tag war der 24. Dezember. Erika war das Herz schwer. Weihnachten wieder alleine. Auf dem Rückweg vom Einkaufen ging sie am Bücherschrank vorbei. Also sie den Nohl-Krimi in die Sammelkiste zurücklegte, fiel ihr Blick auf die gefüllten Regale. Da stand ein als Geschenk eingepacktes Etwas, das wie ein Büchlein aussah. Daran ein Zettel: Für Bellas Frauchen. Erika schaute sich um. Niemand zu sehen. Das konnte nur für sie sein. Erika eilte nach Hause und öffnete gespannt das Päckchen. Darin ein Büchlein von Elke Heidenreich: Erika*. Ein Zettel steckte auch darin: Ich wünsche Ihnen frohe Weihnachten. Und wenn Ihnen dieses Büchlein gefällt, können Sie mich ja mal anrufen. Darunter „Jens“ und eine Telefonnummer. Erika nahm Bella auf den Arm und drückte sie, bis die quietschte. 
Ja: Frohe Weihnachten!
© Diese Geschichte ist kein Produkt von Chatgpt; alles selbst erdacht, erstunken und erlogen.
Wir wünschen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2026
Ute Fischer + Bernhard Siegmund
In den Rödern 13, 64354 Reinheim, Tel. 06162-2205 www.fischer-siegmund.de
*Erika ist die Geschichte, wie Elke Heidenreich mit einem riesigen Plüschschwein per Bahn ziemlich aufregend in den Tessin reist, um einen Freund über Weihnachten zu besuchen und sich bei seinem Anblick letztlich entscheidet, nicht aus dem Zug auszusteigen, sondern mit Erika einfach weiterzureisen und irgendwo – ziemlich angedudelt - strandet.



Letzte Aktualisierung: 10.12.2025